Teil 4 - Projektthema gefunden, was nun?
Autor: Siegfried Seifert, MCSEboard.de
Passt das Projektthema zum Ausbildungsinhalt?
Eine kniffelige Frage.
Die fachlichen Grenzen zwischen den IT-Ausbildungsberufen sind nicht präzise definiert. In der beruflichen Praxis kommt es sogar recht oft vor, das ein Mitarbeiter fachübergreifende Arbeiten ausführt. Welche das sind, hängt natürlich von seinen Kenntnissen und den Ansprüchen der betrieblichen Umgebung ab.
Bei der Auswahl Ihres Projektthemas sollten Sie allerdings darauf achten, dass es möglichst eindeutig zu Ihrem Ausbildungsinhalt passt. Über den folgenden Link können Sie sich die offizielle Definition zum Beruf des Fachinformatikers Systemintegration und seine Tätigkeiten ansehen:
Heiße Kandidaten für einen abgelehnten Projektantrag sind Arbeiten, die sehr deutlich in Richtung Programmierung/Anwendungsentwicklung gehen. Das ist Sache der "anderen" Fachinformatiker. ;-)
Für einen Windows Server ein komplexes Batch-Script zu schreiben, gehört durchaus noch in den Bereich der normalen Systemverwaltung. Für den gleichen Server ein spezielles Web-Interface auf der Basis von JAVA zu entwickeln, gehört dagegen eindeutig zur Anwendungsentwicklung.
Achtung: Die Planung und Implementierung komplexer Datenbanken wird von den Prüfungsgremien inzwischen ebenfalls der Anwendungsentwicklung zugeschrieben!
Aber es spricht nichts dagegen, für eine Datenbank ein Basis-System aufzusetzen, die Datenbank zu installieren und ins Netzwerk zu integrieren.
35 Stunden?
Frage: Ich habe ein Projekt-Thema gefunden, aber wie bekomme ich damit die 35 Std. voll?
Antwort: Einfach weiterlesen.
Man mag es kaum glauben, aber viele haben tatsächlich mit dieser Frage zu kämpfen. Dafür kann es eigentlich nur zwei Gründe geben:
- Das Projekt ist einfach zu „mickrig“ - Sie sollten Ihr Projekt ausweiten oder schleunigst ein neues Thema suchen, sonst wird der Projektantrag wegen „Geringfügigkeit“ abgewiesen.
- Sie haben mindestens die Hälfte aller Arbeiten übersehen – es reicht nicht, mal eben einen Server auf die Beine zu stellen und sich dann auf die Schulter zu klopfen.
Die eben erwähnte Serverinstallation stellt nur so etwas wie die „Kerntätigkeit“ Ihres möglichen Projektes dar. Davor, während und danach passiert noch mehr. Sogar sehr viel mehr. Wenn Ihnen das nicht klar ist, haben Sie das Prinzip einer Projektarbeit noch nicht ganz verstanden. Somit können Sie auch garnicht einschätzen, ob Ihr Projekt überhaupt in dass 35 Stunden-Schema passt.
Da jedes Projekt gemäß Definition einmalig ist, werden die Inhalte und Arbeitsschritte einer Projektarbeit jedes Mal anders aussehen. Eine detaillierte, vollständige Aufzählung ist also nicht möglich. Die nun folgenden Beispiele habe ich daher in zwei Bereiche aufgeteilt.
1) Jeder der folgenden Arbeitsschritte muss auf jeden Fall innerhalb der 35 Std. durchgeführt werden. Ganz egal, um welches Projektthema es sich handelt.
- Erstellung eines Zeitplanes - die Dauer aller Arbeitsschritte muss zusammen exakt 35 Std.ergeben.
- Durchführung der Projekt-„Kernarbeiten“ - keine weitere Erklärung nötig.
- Erstellung der Projekt-Dokumentation - belegt Ihr Projekt schriftlich und wird in der Prüfung bewertet.
- Testläufe, auch „Qualitätssicherung“ genannt - sie sollen sicherstellen, dass alles korrekt funktioniert.
- Projektabnahme und -übergabe - wird zusammen mit dem Projektleiter und dem Auftraggeber (Kunde, falls vorhanden) durchgeführt.
- Kostenrechnung - jedes Projekt verursacht Kosten, die müssen aufgeführt werden.
2) Wenn die folgenden Arbeitsschritte in Ihrem Projekt enthalten sind, müssen sie ebenfalls den 35 Std. zugerechnet werden.
- Beschaffungen aller Art – Hardware, Software, Lizenzen, Genehmigungen, externe Dienstleistungen, Literatur usw., besonders wichtig bei vorgeschriebenen Beschaffungsrichtlinien.
- Entscheidungsmatrix - warum wurde aus mehreren Lösungsmöglichkeiten diese gewählt?
- Evaluierung - Testläufe zur Auswahl der richtigen Hardware- oder Software-Komponente.
- Unterweisung - Mitarbeiterschulungen und Einführungen.
- Gebrauchsdokumentation - Erstellung von Manuals und Arbeitsanweisungen.
- Abschlusspräsentation beim Kunden – ja, auch das gibt es. ;-)
Wie Sie sehen – in so einer Projektarbeit steckt wesentlich mehr, als Sie sich vielleicht vorgestellt haben. Jedes Projekt ist eine fachliche und logistische Herausforderung.
Wenn Sie sich allein für die erste Liste (1) einmal einen groben Zeitplan erstellen, werden Sie sehr schnell feststellen, dass 35 Std. verdammt knapp werden können. Zwei Arbeitsschritte bieten sich dabei als Fixpunkte in der Zeitplanung an:
- Die Kernarbeiten – wenn Sie das verwendete System oder Material kennen, ist der Zeitaufwand für diese Arbeiten relativ gut einschätzbar. Hier ist mal wieder Ihr Fachwissen gefragt.
- Die Projektdokumentation – je nach Aufwand und Komplexität Ihres Projekts können Sie zur Doku-Erstellung im Zeitplan zwischen 7 und 10 Stunden ansetzen.
Für Ihre Dokumentation werden Sie mindestens doppelt so lange brauchen. Das liegt ganz einfach an der fehlenden Erfahrung mit so einer Facharbeit. Das wissen auch die Prüfer. Jeder von ihnen hatte selber einmal mit seiner ersten Projekt-Doku zu kämpfen. Wichtig ist, dass der von Ihnen angegebene Zeitaufwand für die Projekt-Dokumentation „angemessen“ erscheint.
Die
Noch was?
Als ideale Ergänzung zu diesem Leitfaden empfehle ich Ihnen den Download und die Lektüre einer Schrift des Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Broschüre ist eine Fundgrube an Informationen rund um die Prüfungen in den neuen IT-Berufen. Sie steht als PDF-File (3,79 MB) zum Download bereit:
Ich hoffe, dieser Leitfaden ist (oder war) Ihnen eine kleine Hilfe beim ersten Planungsschritt für ein Abschluss-Projekt. Das erste, selbstverantwortete Projekt ist immer ein Krampf. Vor allem, wenn die berufliche Zukunft davon abhängt. Ihr nächstes Projekt gehen Sie schon viel lockerer an.
Ich wünsche Ihnen Viel Erfolg!
©MCSEboard.de, Siegfried Seifert