Teil 1 - Die ProjektumgebungLeitfaden zur Auswahl eines Projektthemas für Fachinformatiker SystemintegrationTeil 3 - Planung und Fachkenntnisse

Teil 2 - Zeit, Ort und künstliche Projekte

Autor: Siegfried Seifert, MCSEboard.de

Wann?

Frage: Wann sollte ich mich um ein passendes Projekt bemühen?
Antwort: So früh wie möglich.


Als Azubi in einer betrieblichen Ausbildung haben Sie dabei einen handfesten Vorteil. Sie sind fest in die betriebliche Struktur integriert und kennen die typischen Aufgabenfelder "Ihrer" Firma. Sie haben darum wesentlich mehr Vorlaufzeit bei der Themensuche.

Als Umschüler in einem Betriebspraktikum fehlt Ihnen diese Vorlaufzeit. Sie stolpern aus dem vorwiegend theoretischen Unterricht in die betriebliche Praxis und müssen sich in kurzer Zeit einen Überblick verschaffen. Wenn Sie zu diesen Leuten gehören, sollten Sie das Thema „Projektarbeit“ bereits beim Vorstellungsgespräch anschneiden. Ihr Praktikumbetrieb kann sich dann eher darauf einstellen und das Projekt in die laufenden Planungen einbinden.

Der Projektleiter

Jedes Projekt benötigt einen „Projektleiter“.
Diese Person wird Sie während des gesamten Projektablaufs betreuen und Ihr wichtigster Ansprechpartner sein. Mit dem Projektleiter werden alle Projektdetails koordiniert. Er ist letztendlich auch für das gesamte Projekt und dessen Ergebnis verantwortlich.

Frage: Wer kann denn Projektleiter werden?
Antwort: Jede Person, die Sie während IhrerAusbildung oder dem Praktikum betreut.


Das können sein: der Firmenchef/Stellvertreter, der Abteilungsleiter/Stellvertreter, der Ausbildungsleiter, der erfahrene Kollege, praktisch jeder Vorgesetzter.
Diese Person wird auch als Projektleiter im Projektantrag und der Projektdokumentation erwähnt und dient dem Prüfungsausschuss bei Bedarf als Ansprechpartner.

Das Projekt: "originär" oder "künstlich"?

Das geplante Projekt sollte idealerweise eine „originäre“ Aufgabenstellung aus dem Einsatzbereich des Projektumfeldes, also des Ausbildungs- oder Praktikumbetriebs sein. Den seltsamen Begriff „originär“ möchte ich mit ein paar einfachen Beispielen erläutern.

  • In einem Microsoft-Systemhaus wird sich sehr wahrscheinlich ein Kunden-Projekt rund um die Windows-Serverfamilie realisieren lassen.
  • Im Rechenzentrum einer Universität oder städtischen Verwaltung, das gerade auf eine Open Source-Lösung migriert, kann sich ein Projekt rund um Linux anbieten.
  • Bei einem spezialisierten Anbieter für IT-Security könnte sich als Projekt ergeben, die in ganz Deutschland verteilten Filialnetzwerke einer Kundenfirma mittels einer VPN-Lösung zu verbinden.

Ihr Projekt-Thema sollte sich also nur aus den typischen Tätigkeiten des jeweiligen Projektumfeldes (Betrieb oder Abteilung) ergeben. Es ist recht unwahrscheinlich, dass z. B. ein reines Microsoft-Systemhaus große Linux-Projekte stemmt.

Das "künstliche" Projekt

Frage: Was passiert, wenn sich einfach kein geeignetes Projekt finden lässt?
Antwort: Dann muss ein „künstliches“ Projekt her.


Das ist eine schwierige Situation.
Der Prüfungsausschuss sieht es nicht sehr gerne, wenn eine Projektarbeit ausschließlich zu Prüfungszwecken realisiert wird. Aber in manchen Fällen geht es eben nicht anders. Vielleicht, weil zum entsprechenden Zeitpunkt kein Projekt ansteht. Oder das mögliche Projekt überfordert Ihre aktuellen Kenntnisse. Wie auch immer, nun gilt es flexibel und ein wenig kreativ zu sein. Sie müssen den Prüfungsausschuss ja nicht unbedingt mit der Nase darauf stoßen.

Zunächst sollten Sie das Problem sehr intensiv mit Ihrem Projektleiter besprechen. Sie müssen gemeinsam abklären, welche Möglichkeiten das betriebliche Umfeld in diesem Fall bietet. Welche Ressourcen kann der Betrieb oder die Abteilung kurzfristig für ein Projekt zur Verfügung stellen, das nach Abschluss sofort wieder eingestampft wird?

Diese Ressourcen können sein:

  • Rechner aller Art
  • sonstige Hardware (Monitore, externe Laufwerke usw.)
  • Netzwerkkomponenten (Kabel, Switche, Router usw.)
  • Software (Betriebssysteme, Applikationen)
  • Support durch anderer Kollegen oder Abteilungen

Tipp: Vielleicht pflegt Ihr Chef enge, persönliche Kontakte zu anderen IT-Unternehmen. Dann könnte er Sie an das befreundete Unternehmen für ein passendes Projekt  „ausleihen“.

Wichtig ist, dass Sie bei der Planung und Durchführung eines „künstlichen“ Projektes ebenso gewissenhaft arbeiten wie bei einem „originären“ Projekt. Ihre Arbeit muss in der Dokumentation, der Präsentation und dem Fachgespräch möglichst „authentisch“ wirken. Auf jeden Fall sollten Sie nicht erkennen lassen oder erwähnen, dass dieses Projekt nur realisiert wurde, damit Sie „irgendwas" für die Prüfung vorlegen konnten.

Der Prüfungsausschuss erkennt „künstliche“ Projekte zumeist an zwei Merkmalen:

  1. Das Thema passt nicht zur betrieblichen Umgebung.
  2. Der Projektumfang ist zu dürftig oder es fehlt die typische Einmaligkeit und Komplexität, die jedes Projekt auszeichnet.


Gerade die Schwachpunkte unter 2) führen sehr oft dazu, dass ein Projektantrag entweder komplett abgelehnt wird oder nachbearbeitet werden muss. Das kostet Sie zumindest wertvolle Zeit.


Falls Ihnen schon jetzt klar ist, dass so ein „künstliches“ Projekt auf Sie zurollt und Sie bekommen erste Bedenken - cool bleiben!
Die Prüfer im Ausschuss sind anerkannte Fachleute und sie wollen von Ihnen eine professionelle Arbeit sehen. Aber es sind keine verstockten Prinzipienreiter. Sie wissen, dass es manchmal schwierig ist, für den Azubi/Praktikanten innerhalb des betrieblichen Ablaufs ein angemessenes Projekt bereitzustellen. Vor allem der Termindruck bei Kundenaufträgen erschwert sehr oft eine reibungslose Integration Ihres Projektplans.
Selbst wenn für die Prüfer einiges darauf hinweist, dass es ein „künstliches“ Projekt ist - sie werden den Projektantrag nicht sofort ablehnen oder Ihre Arbeit grundsätzlich mies bewerten. Solange Ihre Projektarbeit alle typischen Eigenschaften aufweist (Zeitplanung, Komplexität, Einmaligkeit usw.), wird der Prüfungsausschuss den Projektantrag genehmigen.


© MCSEboard.de, Siegfried Seifert

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