Lizenzierung von Microsoft Applikationen in Terminalserver Umgebungen

Autor: Thomas Kuberek, MCSEboard.de

Seit dem Windows Server 2000 sind die Terminaldienste Bestandteil des Windows Server und ermöglichen es einer großen Anzahl von Clientgeräten, mit geringem Verwaltungsaufwand, Applikationen zentral zur Verfügung zu stellen. Mit den Terminaldiensten von Windows Server ist es einem Unternehmen möglich, über einen einzigen Installationspunkt vielen Usern Applikationen, Dienste und Ressourcen, an nahezu beliebigen Geräten so zur Verfügung zu stellen, als ob sie lokal installiert wären. Trotzdem ist der Verwaltungsaufwand gering, dass die tatsächliche Installation nur auf einem zentralen Gerät erfolgt.

Da die eigentliche Installation nur auf einem Gerät erfolgt werfen sich einige Fragen bezüglich der hierfür benötigten Lizenzen auf, welche mit diesem Dokument geklärt werden sollen.

Dieses Dokument betrachtet nur die Lizenzierung von Microsoft Applikationen auf in einer Terminalserverumgebung. Zusätzlich müssen auch die dazu erforderlichen Server korrekt lizenziert werden.

Wenn spezielle Nutzungsszenarien nicht berücksichtigt wurden, oder weitere Fragen aufgeworfen wurden, so wird der Autor dieses Artikels diese gerne in dem Lizenzforum von www.mcseboard.de beantworten:

www.mcseboard.de/microsoft-lizenzen-50/

Grundsätzlich werden Microsoft Applikationen per Installation und Gerät lizenziert. Das bedeutet dass für jedes Gerät, auf welchem Office installiert ist, wird auch eine Office Lizenz benötigt. Diese Lizenz darf nicht auf mehreren Geräten genutzt werden, noch concurrent (mal auf dem einen und mal auf dem anderen Gerät) genutzt werden.

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

I) Rechte zur Installation und Nutzung.

a) Lizenziertes Gerät. Das lizenzierte Gerät ist das Gerät, auf dem Sie die Software verwenden.
• Sie sind berechtigt, eine Kopie der Software, eines Komponentenprodukts der Software und einer früheren Microsoft-Version der Software oder einer Komponente auf dem lizenzierten Gerät zu installieren und zu verwenden.
• Sie sind außerdem berechtigt, eine weitere Kopie der Software in einer virtuellen Betriebssystemumgebung auf dem lizenzierten Gerät zu installieren und zu verwenden.
• Außer wie im Abschnitt „Remotezugriff“ weiter unten beschrieben, darf nur jeweils ein Benutzer die Kopien auf dem lizenzierten Gerät verwenden.

Das bedeutet dass das grundsätzlich für jede Office Installation und damit auch für die Nutzung eine eigene Lizenz je Gerät erforderlich ist.
Wenn wir das für eine Systemumgebung mit 25 Rechnern betrachten ist es eindeutig dass, wenn auf jedem der Rechner Office installiert ist, 25 Office Lizenzen erforderlich sind.

Wie sieht das nun aus wenn von diesen 25 Geräten aus Office über einen Terminalkserver genutzt wird?

In den Produktnutzungsrechten vom Juli 2006 kann hierzu folgendes nachgelesen werden:

c) Netzwerkgerät. Sie sind außerdem berechtigt, eine Kopie auf einem Netzwerkgerät zu installieren. Sie dürfen diese Kopie nur wie im Abschnitt „Remotezugriff“ weiter unten beschrieben verwenden.
II) Zusätzliche Lizenzanforderungen und/oder Nutzungsrechte.
a) Remotezugriff. Sie sind wie folgt berechtigt, auf die Software von einem anderen Gerät aus zuzugreifen und sie von einem anderen Gerät aus zu nutzen.
• Hauptnutzerin oder Hauptnutzer. Die einzige Hauptnutzerin oder der einzige Hauptnutzer des Geräts, das die Remote-Desktop-Sitzung hostet, ist berechtigt, von einem beliebigen anderen Gerät aus auf die Software zuzugreifen und sie von diesem Gerät aus zu verwenden. Außer zur Bereitstellung von Supportleistungen ist keine andere Person berechtigt, die Software zur gleichen Zeit unter der gleichen Lizenz zu verwenden.
• Nicht-Hauptnutzer. Jeder Nutzer ist berechtigt, auf die Software von einem gesondert lizenzierten Gerät aus zuzugreifen und sie von diesem Gerät aus zu nutzen.

Das bedeutet dass es grundsätzlich zulässig ist Office auf einem Netzwerkgerät (Server) zu installieren.

Diese Netzwerkinstallation darf von zwei Parteien genutzt werden:
1. von dem Hauptbenutzer dieses Servers (den es bei einem Terminalserver eigentlich nicht gibt, da niemand lokal an diesen Server arbeitet)
2. von jedem nicht Hauptbenutzer (was eigentlich jeder Terminalservernutzer ist), solange er es von einem Gerät aus macht dass selbst über eine Lizenz für dasselbe Office Paket verfügt, welches auf dem Terminalserver installiert ist.

Wenn das Office in einer Terminalsession angezeigt wird ist dies so, als wenn es lokal installiert wäre, was bedeutet dass für jeden Rechner, welcher das Office auf dem TS starten kann, eine eigene Office Lizenz notwendig ist. Logischerweise verringert die Nutzung von Applikationen nicht die Anzahl der benötigten Lizenzen gegen über einer lokalen Nutzung von Office. Aus Lizenzsicht ist es unerheblich ob das lokal genutzte Office von der lokalen Installation, oder von einer Serverinstallation kommt. Das Gerät, auf welchem die Applikation genutzt wird, muss über die entsprechende Lizenz verfügen.

Wichtig ist zu beachten dass es nicht darauf ankommt wie viele User die Applikation auf dem Terminalserver nutzen, da die Applikationen per Gerät und Installation lizenziert werden und nicht per User. Wenn also ein User mit mehreren Geräten auf den Terminalserver zugreift und von jedem Gerät aus Office, innerhalb der Terminalsession, nutzen kann ist für jedes dieser Geräte eine eigene Office Lizenz notwendig. Umgekehrt ist nur eine Office Lizenz notwendig wenn ein Gerät von mehreren Usern (zum Beispiel bei Schichtbetrieb) abwechselnd genutzt wird.

Diese Regeln gelten auch für Geräte (wie zum Beispiel ThinClients) die Office nur über einen Terminalserver nutzen, dieses aber lokal nicht installiert haben.

Die vollständigen Lizenzbedingungen sind, stets aktuell, auf den Microsoft Webseiten einzusehen:

www.microsoft.com/germany/lizenzen/ueberblick/pur/default.mspx

Stand: September 2006

©MCSEboard.de, Thomas Kuberek