Grundlagen der Lizenzierung von Microsoft Produkten, in Volumenlizenzverträgen

Autor: Thomas Kuberek, MCSEboard.de

Die vorliegende Abhandlung berücksichtigt bewusst nicht alle möglichen Kombinationen der Lizenzierung um die üblichen Arten der Nutzung korrekt und trotzdem verständlich zu vermitteln. Wenn spezielle Nutzungsszenarien nicht berücksichtigt wurden, oder weitere Fragen aufgeworfen wurden, so wird der Autor dieses Artikels diese gerne in dem Lizenzforum von www.mcseboard.de beantworten:

www.mcseboard.de/microsoft-lizenzen-50/

Microsoft Produkte, werden nach neun verschiedenen Lizenzierungsmodi unterschieden:
- Desktop Anwendungen
- Desktop Betriebssysteme
- Server Betriebssysteme
- Server im „Server/CAL“ Modus
- Server im „per Prozessor“ Modus
- Entwicklertools
- Management Server
- Spezialserver
- Onlinedienste (in dieser Übersicht nicht berücksichtigt)

Lizenzierung der Desktop Anwendungen:

Grundsätzliche Rechte zur Nutzung auf dem lizenzierten Gerät:

Applikationen werden je Installation/Gerät lizenziert. Das bedeutet dass, je Lizenz, grundsätzlich eine Installation, auf einem Gerät vorgenommen werden darf.
Zusätzlich zu der lizenzierten Version der Software darf eine frühere Microsoft Version der Software, auf demselben Gerät, installiert und genutzt werden (diese kann wahlweise auch in einer virtuellen Maschine, oder einer zweiten Installation (Multiboot) genutzt werden).
Wenn auf dem lizenzierten Gerät eine virtuelle Maschine läuft darf die lizenzierte Version der Software, innerhalb dieser virtuellen Maschine einmal installiert und genutzt werden.

Das bedeutet dass pro Lizenz bis zu drei Installationen vorgenommen dürfen. Einmal die lizenzierte Version auf dem physikalischen Gerät, einmal eine Vorversion der lizenzierten Version auf dem physikalischen Gerät und einmal die lizenzierte Version innerhalb einer virtuellen Maschine, auf demselben physikalischen Gerät.

Zusätzliche Rechte:

Wenn der Hauptbenutzer des lizenzierten Gerätes (Applikationen werden ja per Gerät lizenziert) über ein tragbares Gerät verfügt (Notebook, Tablet PC, etc.), so darf er, an Stelle der Installation innerhalb einer virtuellen Maschine, auf diesem tragbaren Gerät nutzen.
Der Hauptbenutzer des lizenzierten Gerätes darf die Installation auf dem Lizenzierten Gerät auch über eine Remote Desktop (RDP) Verbindung, von einem beliebigen anderen Gerät aus, auf dem lizenzierten Gerät nutzen.

 

Lizenzierung der Desktop Betriebssysteme:

Wie die Applikationen werden auch die Client Betriebssysteme je Installation/Gerät lizenziert. Auch hier darf, je Lizenz, grundsätzlich eine Installation, auf einem Gerät vorgenommen werden.

Grundsätzliche Rechte zur Nutzung auf dem lizenzierten Gerät:

In Gegensatz zu den Applikationen dürfen die Client Betriebssysteme zweimal in der lizenzierten Version, auf demselben Gerät, installiert und genutzt werden. Hierbei ist es unerheblich ob dies in einer physikalischen (Dualboot) oder virtuellen Umgebung geschieht.
Bei einer der beiden zulässigen Installationen darf, an Stelle der lizenzierten Version, eine Vorversion installiert und genutzt werden.

Zusätzliche Rechte:

Der Hauptnutzer des Gerätes (logischerweise kann das nur einer sein), darf die lizenzierte Installation auch über Remotezugriff (RDP), von einem beliebigen Gerät aus, nutzen.
Alle anderen Benutzer welche die lizenzierte Installation über Remotezugriff nutzen wollen, müssen dies von einem Gerät aus machen auf dem dieselbe Version der Software lizenziert ist. Wenn das Gerät, von dem aus zugegriffen wird, über keine Lizenz der Software verfügt muss es über eine Remote Desktop Lizenz (RDP) verfügen. Dies ist analog zur Zugriffslizenzierung auf Terminalserver.
Für alle anderen Zugriffe (z.B. synchronisieren von PDAs) ist keine RPP notwendig.

Lizenzierung der Server Betriebssysteme:

Server Betriebssysteme werden in Server/CAL Modus lizenziert. Das bedeutet dass je Installation eine Server Lizenz notwendig ist und zudem für jedes Gerät dass (egal wie) auf den Server zugreift eine Server CAL notwendig. Die Version der CAL muss mindestens der Version des Server Betriebssystems entsprechen auf das zugegriffen wird.

Grundsätzliche Rechte zur Nutzung auf dem lizenzierten Gerät:

Je Lizenz ist eine Installation und Nutzung, unerheblich ob in einem physikalischen oder virtuellen System, zulässig.Zudem darf eine beliebige Anzahl von Instanzen (zum Beispiel Images virtueller Systeme) erstellt und gespeichert werden.
Zusätzlich zu der Serverlizenz muss für jedes Gerät dass auf den Server zugreift eine entsprechende Server CAL beschafft werden. Um was für ein Gerät es sich handelt und wie der Zugriff aussieht ist hierbei nicht relevant.
Ausgenommen hiervon sind lediglich unauthentifizierte Zugriffe über das Internet, Zugriffe von Geräten die über eine Lizenz der Serversoftware verfügen und zwei administrative Zugriffe.
Die Version der CAL muss mindestens der Version der Serversoftware entsprechen. Die Serverversion darf auf keinen Fall neuer sein als die Version der CAL, die CAL darf aber eine neuere Version haben als die Serversoftware.
Mit jeder CAL darf auf beliebig viele entsprechende Server des Lizenznehmers zugegriffen werden.
Dies gilt auch für den Zugriff auf die Terminaldienste, welche, seit der Version 2000, Produktbestandteil der Windows Servers sind. Hier sind, zusätzlich zu den Windows Server CALs, auch Terminalserver CALs, für jedes zugreifende Gerät oder jeden Zugreifenden User, erforderlich.
Die CALs können wahlweise „per User“ oder „Per Device“ lizenziert werden.
Bei einer Lizenzierung per Device dürfen beliebig viele Mitarbeiter von dem lizenzierten Gerät aus, auf den Server zugreifen. Wird per User lizenziert, darf der lizenzierte User mit beliebigen Geräten (diese benötigen dann keine Geräte CAL) auf den Server zugreifen.

Die Lizenzierung der Serverzugriffe ist relativ trivial, wenn es um Zugriffe der eigenen Mitarbeiter, oder Kunden geht, deren Zahl ich kenne. Problematisch wird es wenn Server über das Internet erreichbar sind und die Anzahl der zugriffe beliebig hoch sein kann.
Für solche Szenarien gibt es so genannte „external Connector“ Lizenzen. Auf Server die über eine external Connector Lizenz verfügen, dürfen beliebig viele Zugriffe erfolgen. Diese Zugriffe dürfen allerdings nicht durch die eigenen Angestellten, Vertragspartner oder Erfüllungsgehilfen des Lizenznehmers erfolgen.

Zusätzliche Rechte:

Alternativ zu der Zugriffslizenzierung Per Device oder Per User, kann der Windows Server auch „per Server lizenziert werden. Bei diesem concurrent Lizenzierungsmodell werden die CALs nicht Bestimmten Geräten oder Usern zugewiesen, sondern dem Server. Hierbei muss die Anzahl der maximal zeitgleichen Zugriffe lizenziert werden. Dies muss für jeden Server separat geschehen.
Bei dem Server 2003 R2 Enterprise Edition dürfen mit einer Lizenz eine physikalische und bis zu vier virtuelle Installationen, auf derselben Hardware, installiert und genutzt werden.
Wenn alle vier virtuellen Instanzen genutzt werden, darf die physikalische Instanz nur dazu genutzt werden die virtuellen Instanzen zu hosten.

Lizenzierung der Server in „Server/CAL“ Modus:

Für Server welche im Server/Cal Modus lizenziert werden gelten ähnliche Regelunen wie für die Server Betriebssysteme.

Server Betriebssysteme werden in Server/CAL Modus Lizenziert. Das bedeutet dass je Installation eine Server Lizenz notwendig ist und zudem für jedes Gerät dass (egal wie) auf den Server zugreift eine Server CAL notwendig. Die Version der CAL muss mindestens der Version des Server Betriebssystems entsprechen auf das zugegriffen wird.

Grundsätzliche Rechte zur Nutzung auf dem lizenzierten Gerät:

Je Lizenz ist eine Installation und Nutzung, unerheblich ob in einem physikalischen oder virtuellen System, zulässig.
Zudem darf eine beliebige Anzahl von Instanzen (zum Beispiel Images virtueller Systeme) erstellt und gespeichert werden.
Zusätzlich zu der Serverlizenz muss für jedes Gerät dass auf den Server zugreift eine entsprechende Server CAL beschafft werden. Um was für ein Gerät es sich handelt und wie der Zugriff aussieht ist hierbei nicht relevant.
Ausgenommen hiervon sind lediglich Zugriffe von Geräten die über eine Lizenz der Serversoftware verfügen und zwei administrative Zugriffe.

Die Regelung für die nicht authentifizierten Zugriffe über das Internet fehlt hier, so dass auch für solche eine entsprechende CAL notwendig ist.

Die Version der CAL muss mindestens der Version der Serversoftware entsprechen. Die Serverversion darf auf keinen Fall neuer sein als die Version der CAL, die CAL darf aber eine neuere Version haben als die Serversoftware.

Mit jeder CAL darf auf beliebig viele entsprechende Server des Lizenznehmers zugegriffen werden.
Die CALs können wahlweise „per User“ oder „Per Device“ lizenziert werden.
Bei einer Lizenzierung per Device dürfen beliebig viele Mitarbeiter von dem lizenzierten Gerät aus, auf den Server zugreifen. Wird per User lizenziert, darf der lizenzierte User mit beliebigen Geräten (diese benötigen dann keine Geräte CAL) auf den Server zugreifen.

Zu beachten ist dass immer auch zwingend eine Windows Server CAL notwendig ist, weill all diese Server, ja als Basissystem den Windows Server voraussetzen, auf welchem sie installiert werden. Somit erfolgen auch auf diesen Zugriffe welche mit einer Windows Server CAL lizenziert werden müssen.

Die Lizenzierung der Serverzugriffe ist relativ trivial, wenn es um Zugriffe der eigenen Mitarbeiter, oder Kunden geht, deren Zahl ich kenne. Problematisch wird es wenn Server über das Internet erreichbar sind und die Anzahl der zugriffe beliebig hoch sein kann.
Für solche Szenarien gibt es so genannte „external Connector“ Lizenzen. Auf Server die über eine external Connector Lizenz verfügen, dürfen beliebig viele Zugriffe erfolgen. Diese Zugriffe dürfen allerdings nicht durch die eigenen Angestellten, Vertragspartner oder Erfüllungsgehilfen des Lizenznehmers erfolgen.

Lizenzierung der Server in „per Prozessor“ Modus:

Wie viel Lizenzen erforderlich sind hängt hier nicht von der Anzahl der Installationen/Nutzungen ab, sondern von der Anzahl der Prozessoren. Für jeden physikalischen Prozessor, der für das Serverbetriebssystem sichtbar ist, wird eine Prozessorlizenz benötigt. Im Gegenzug müssen die Zugriffe nicht separat lizenziert werden. Hier sind alle Zugriffe über die Prozessorlizenzen abgedeckt.
Ebenso ist es irrelevant wie viele Instanzen der Software, auf dem lizenzierten Gerät ausgeführt werden, es sind keine zusätzlichen Lizenzen erforderlich. Alle Installationen, auf dem lizenzierten Gerät, sind durch die Prozessorlizenz abgedeckt.
Bei Hyperthreading oder Multicore Prozessoren zählt ebenfalls nur der physikalische Prozessor, nicht die Cores oder virtuellen (nicht zu verwechseln mit virtuellen Prozessoren in virtuellen Maschinen) Prozessoren.
Wenn Server, welche per Prozessor lizenziert werden, in virtuellen Umgebungen betrieben werden, ist es ähnlich. Für jeden virtuellen Prozessor, welcher für die virtuellen Server Betriebssysteminstanz sichtbar ist, wird eine Prozessorlizenz benötigt.

Lizenzierung der Entwicklertools:

Entwicklertools sind die einzigen Produkte, welche per User lizenziert werden. Das bedeutet dass jeder Entwickler eine eigene Lizenz benötigt, damit aber auf beliebig vielen Geräten entwickeln, testen und vorführen darf.

Lizenzierung der Management Server:

Ähnlich wie bei der Lizenzierung im „Server/CAL“ Modus, ist für jede Installation der Serversoftware eine eigene Lizenz notwendig, unabhängig davon ob diese Installation auf einem physikalischen, oder virtuellen Gerät erfolgt.
Da die Managemant Server allerdings auf die Clients zugreifen und nicht umgekehrt, gibt es hier keine CALs (Client Access License), sondern OMLs (Management Lizenzen). So ist für jedes Gerät welches von einem Management Server verwaltet wird, eine eigene, dem Server entsprechende, OML notwendig.
Die Version der OML muss mindestens der Version der Serversoftware entsprechen. Die Serverversion darf auf keinen Fall neuer sein als die Version der OML, die OML darf aber eine neuere Version haben als die Serversoftware.
Wenn mehrere Instanzen desselben Managementservers betrieben werden, ist dennoch nur eine entsprechende OML je gemanagtem Gerät notwendig.

Lizenzierung der Spezialserver:

Spezialserver werden lediglich je Serverinstanz lizenziert. Das bedeutet dass für jede Installation, unabhängig davon ob in einer physikalischen oder virtuellen Systemumgebung, eine eingene Lizenz erforderlich ist. Es sind keine weiteren CALs oder OMLs für Geräte notwendig, welche auf diese Server zugreifen, oder von Ihnen verwaltet werden.

Die vollständigen Lizenzbedingungen sind, stets aktuell, auf den Microsoft Webseiten einzusehen:

www.microsoft.com/germany/lizenzen/ueberblick/pur/default.mspx

Stand: September 2006

©MCSEboard.de, Thomas Kuberek